Da geht mit Sicherheit mehr

Artikel aus „Motorrad“: 14.02.2020
von Tobias Beyl


Mut zu mehr Schräglage könnte manchen Unfall vermeiden. Doch wie viel geht? Die KTM Riders Academy will helfen, Grenzbereiche in sicherer Umgebung auszuloten, um im Ernstfall routinierter reagieren zu können.

Stürzen ist keine Schande. Natürlich nicht. Aber ärgerlich. Also versuchen wir als Motorradfahrer, etwas dagegen zu tun – mit Fahrtrainings zum Beispiel. So lassen sich Gefahrensituationen in kontrollierter Umgebung simulieren, um im Ernstfall instinktiv, ohne Schreck und ohne Panik richtig reagieren zu können. Denn dadurch ließen sich – das zeigt die Unfallforschung – viele Unfälle vermeiden. Diese Verinnerlichung von Handlungsmustern ist auch eines der Ziele der Riders Academy, eines mehrteiligen Trainingsangebots von KTM, das in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften (WIVW) und dem langjährigen Motorrad-Coach Klaus Schwabe entwickelt wurde und seit Ende 2018 in Österreich und Deutschland angeboten wird.
Ich konnte daran teilnehmen, ebenso wie eine Handvoll weiterer Motorjournalisten und Youtuber. Entsprechend breit fiel die Altersspanne unserer sechsköpfigen Gruppe aus, und folglich war auch der Erfahrungsschatz alles andere als homogen. Doch so sieht die Realität aus: bei anderen Trainings, aber auch draußen auf der Straße, wenn Motorradfahrer in Gruppen unterwegs sind. Das weiß Klaus – und hat das Fahrtraining entsprechend angelegt. Wobei er anmerkt, dass das Wort „Training“ eigentlich trügt. Denn vielmehr geht es darum, Übungen kennenzulernen, Fehler zu beheben und Grenzen auszuloten – das eigentliche Training, ergo die Umsetzung des Gelernten, folgt dann im Alltag.

Sieht aus wie Stürzen, ist aber kontrolliertes Kurvenfahren. Ziel: Rad am Ausleger knapp über dem Asphalt halten

Üben, üben, üben

Also starten wir mit den Übungen, die sich auf zwei jeweils ganztägige Module verteilen. Modul 1 heißt Street Training Basic und umfasst vor allem Übungen zu Schräglage, Balance, Blicktechnik und dem Umgang mit Assistenzsystemen. Und obwohl entsprechend viel praktisch geübt wird, gibt es auch regelmäßig kurze theoretische Einheiten. Denn sicheres Motorradfahren, so erklärt es Klaus, bestehe aus vier Komponenten: dem kognitiven Wissen, dem motorischen Können, der richtigen Einstellung und dem tatsächlichen Verhalten. Gerade der letzte Punkt sei entscheidend, denn alles Wissen und Können hilft nichts, wenn ich es in einer Gefahrensituation nicht abrufen kann. Deshalb muss man dies selbst „erfahren“ und im besten Fall in der realen Welt vertiefen, wie es das zweite Modul der KTM Riders Academy ermöglicht: Im Street Training Advanced geht es mit den Motorrädern – übrigens sind Bikes aller Marken willkommen- hinaus auf echte Bergstrecken, beispielsweise am Gardasee oder, wie bei uns, rund um Bad Reichenhall. Dort stehen vor allem Linienwahl, Kurventypen, Kurvenradien und Blickführung auf dem Stundenplan. Wie auch beim Basic-Training hält Klaus stets Kontakt über Funk, gibt Instruktionen und direktes Feedback via Blue- tooth. Nachmittags wird dieses Einzelcoaching noch vertieft: Eins-zu-eins-Schu-lung beim Passfahren mit Kommunikation in beide Richtungen. Dann stellt Klaus Fragen, lässt den Schüler erzählen. Das gibt ihm einen Hinweis auf den aktuellen Konzentrationslevel. Das Ziel: knapp über dem sogenannten Flow-Gefühl zu sein, wo sich Anforderung und Können genau die Waage halten. Dann fühlen wir uns wohl, lernen etwas, haben aber auch noch Reserven. Etwa um notfalls das Motorrad noch weiter in die Kurve zu drücken, statt vor Schreck zu bremsen – eine überraschend häufige Unfallursache.

Spielerisches Element: Möglichst langsam und ohne einen Fuß abzusetzen, ging es darum, die anderen Teilnehmer auf die Grasfläche abzudrängen

Schräge Typen

Die Polizei spricht dann von „nicht angepasster Geschwindigkeit“. Das steht nicht zwangsläufig für Raserei; oftmals war das Tempo für die äußeren Umstände passend, das Können des Fahrers war das Problem. Die Folge: Panik. Laut Statistik sind etwa zwei Drittel aller tödlichen Motorradunfälle außerorts selbst verschuldet. Und Unfallanalysen zeigen, dass erstaunlich viele dieser Unfälle bei Schräglagen unter 20Grad passieren, obwohl problemlos 40Grad möglich gewesen wären. Auch in Schrecksituationen schräg zu fahren, das müssen Motorradfahrer also üben. Auch dies ist Teil des Street Trainings Basic. Am Auslegermotorrad – wahlweise eine KTM 390 Duke oder eine 1290 Super Duke GT – erfahren wir, wie schräg 40 Grad tatsächlich sind und wie träge das Motorrad dann reagiert. Eine weitere, als sehr wertvoll empfundene Übung war das Fahren über einen Sandfleck: teils in tiefer Schräglage, teils mit blockierendem Vorderrad. Hier richtig zu reagieren, lässt sich dank Stützrädern gefahrlos üben. Deshalb sei jedem Motorradfahrer dieses spezielle Fahrtraining auch ans Herz gelegt.

Beim Street Training Advanced wird auf echten Bergstrecken geschult

Ob es nun die KTM Riders Academy sein muss? Nicht zwingend, auch andere Anbieter bieten gute Kurse. Doch für das Angebot von Klaus Schwabe spricht die pädagogische Struktur, das professionelle Eingehen auf individuelle Fähigkeitern, das stets direkte Feedback per Walkie-Talkie und die Evaluation über das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften (WIVW). Dafür haben der Deutsche Verkehrssicher-, heitsrat (DVR) sowie der Verband der europäischen Motorradhersteller (ACEM) der KTM Riders Academy sogar den „European Training Quality Label“-Award verliehen. Und Klaus Schwabe verspricht: Es wird noch besser.

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